Trittin: Atomausstieg ist Konsequenz von Tschernobyl
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Berlin
(ddp). Für Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) ist der
Atomkonsens die «wichtigste Lehre» aus der Reaktor-Katastrophe 1986 in
Tschernobyl. Die Tragödie habe vor Augen geführt, dass die Nutzung von
Atomkraft mit unkalkulierbaren Risiken verbunden sei, sagte Trittin am
Mittwoch in Berlin anlässlich des 15. Jahrestags des Atomunfalls.
Damals hätten sich bereits viele Menschen für einen Atom-Ausstieg
ausgesprochen. Es habe aber eines Regierungswechsels bedurft, diese
Konsequenz umzusetzen.
Trittin bekräftigte, das Verfahren zur Umsetzung des mit der Energieindustrie vereinbarten Konsenses sei «auf gutem Weg». So sei das Genehmigungsverfahren zum Bau von Zwischenlager an den jeweiligen Kraftwerksstandorten angelaufen, erste Interimslager seien genehmigt. Mit den Zwischenlagern und dem Verbot von Atomtransporten ab 2005 werde die Zahl der Atommüll-Fuhren durch Deutschland auf ein Drittel reduziert. Zudem läge der Stillegungsantrag für das Atomkraftwerk Mülheim-Kärlich vor. Auch das Energieunternehmen E.ON habe angekündigt, das AKW Stade bereits 2003 vom Netz zu nehmen.
Die Novelle des Atomgesetzes soll nach Angaben Trittins noch in diesem Jahr durch den Bundestag. Zurzeit sei es noch nicht ganz fertig. «Aber ich denke, wir sind kurz vor dem Abschluss», sagte der Minister. Er verwies außerdem auf die Arbeitsgruppe, die bis Ende des Jahres Kriterien für die Errichtung eines Endlagers vorlegen soll. Der Bau des Endlagers Gorleben sei gestoppt. Durch den Atomkonsens und der damit verbundenen Zwischenlager gebe es eine «Lastenteilung». Damit würden die bisherigen Zwischenlagestandorte Gorleben und Ahaus «drastisch entlastet».
An der Versiegelung des Unglücksmeilers in Tschernobyl sowie dessen Rückbau ist die Bundesrepublik Trittin zufolge mit 80 Millionen US-Dollar und damit rund 70 Millionen Euro beteiligt. Die Bundesregierung hatte im Dezember vergangenen Jahres in einer internationalen Konferenz für die Erbringung von weiteren 150 Millionen Euro der insgesamt rund 370 Millionen Euro zugesicherten Hilfe erfolgreich geworben. Trittin betonte, die Folgen der Katastrophe seien bis heute nicht bewältigt. In den besonders betroffenen Staaten Ukraine, Weißrussland und Russland habe die Zahl der Schilddrüsen-Erkrankungen bei Kindern dramatisch zugenommen. Mit den Hilfsgelder sei sichergestellt, dass die Umwelt langfristig vor der hochverstrahlten Ruine gesichert sei.
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