Tschernobyl-Initiativen: Reaktorkatastrophe ist aus den Köpfen
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Wanderup/Döbeln
(ddp). Initiativen zur Betreuung von Kindern aus verstrahlten Gebieten
in Weißrussland beklagen das geringe öffentliche Interesse an der
Reaktorkatastrophe in Tschernobyl. «Das ist aus den Köpfen der Leute
raus», sagte Henri Westphal, Arzt und Vorsitzender der «Initiative für
Kinder von Tschernobyl» im schleswig-holsteinischen Wanderup. Im
Gespräch mit der Nachrichtenagentur ddp betonte er, es
werde immer schwieriger, Spendengelder und neue Gastfamilien für Kinder
zu finden.
Über seine Initiative kämen seit zehn Jahren jährlich 10 bis 15 Kinder für einen Monat nach Deutschland, wo sie in Gastfamilien unterkommen. «Wir müssen sehr viel Werbung für unsere Initiative machen, damit wir wahrgenommen werden», betonte Westphal. Es sei den Menschen in Deutschland oft nicht bewusst, dass die Folgen der Verstrahlung auch so lange nach dem Unfall noch fester Bestandteil des weißrussischen Alltags seien.
Christian Otto und Paul Koch, Vorsitzende vergleichbarer Initiativen im sächsischen Döbeln und im niedersächsischen Schöppenstedt, teilen diese Erfahrung. Es sei extrem mühsam, Menschen für ihre Initiative zu gewinnen und Spendengelder für die Kinderaufenthalte in Deutschland zu sammeln. «Aber irgendwie bekommen wird das Geld am Ende doch immer zusammen», sagt Otto.
Dabei liege der medizinische Nutzen eines solchen Aufenthalts auf der Hand, sagt Westphal: «Diese vier Wochen tun den Kindern extrem gut. Sie sind hier keiner Strahlung ausgesetzt, bekommen unbelastete Nahrung und atmen saubere Luft», weiß er aus Erfahrung. «Häufig ist das Immunsystem der Acht- bis Zwölfjährigen sehr angeschlagen. Darum sind die Kinder auch nicht so belastbar wie unsere», erklärt Westphal.
Darüber hinaus leiden sie oft an Krankheiten, die in Deutschland eher ältere Menschen befallen. «Weißrussische Kinder haben häufig grauen Star oder Herz-Muskelbeschwerden», verdeutlicht der Mediziner. Besonders der kindliche Organismus leide unter der beständigen Belastung, denn junge Zellen reagierten stärker auf Strahlung als ältere. Daher seien die Gefahren für Kinder im Wachstum erheblich größer als für Erwachsene.
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