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Tschernobyl-Gau - Tag der Trauer

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Nürnberg (ddp-bay). Der Atomunfall im ukrainischen Tschernobyl ist für den Bund Naturschutz in Bayern (BN) «ein Tag der Trauer». Bei der Explosion des russischen Atomreaktors am 26. April 1986 wurden Zehntausende Menschen verstrahlt und weite Landstriche der Ukraine und Weißrusslands unbewohnbar, sagte der BN-Landesbeauftragte Hubert Weiger am Mittwoch in Nürnberg. Noch immer lägen keine genauen Zahlen vor, würden die Ausmaße des Unglücks «extrem verharmlost». Die beiden östlichen Länder hätten Flächen von der Größe Hessens und Bayern evakuiert. Dennoch seien von den Regierungen weltweit noch immer keine ernsthaften Konsequenzen aus dem Unglück gezogen worden, kritisierte Weiger. Lediglich auf den Bau neuer Reaktoren hätten die EU-Staaten seit dem GAU (Größter anzunehmender Unfall) verzichtet.

Eine Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) über das Leiden der betroffenen Bevölkerung zeigt nach den Worten von Weiger ein düsteres Szenario: Seltene Krankheiten stiegen sprunghaft an, mehrere zehntausend Menschen fielen der überhöhten Strahlenbelastung bereits zum Opfer. Kinder, auch solche, die zum Zeitpunkt des Unglücks noch nicht auf der Welt waren, seien am schlimmsten von der Katastrophe betroffen. Die WHO gehe deshalb davon aus, dass ein Drittel aller weißrussischen Kinder, die am Tag des Unfalles vier Jahre oder jünger waren, an Schilddrüsenkrebs erkranken werden, sagte der BN-Chef.

Aber auch im 1.500 Kilometer weit entfernten Bayern seien die Folgen noch immer dingfest zu machen: Die radioaktive Belastung von Pilzen und Wildfleisch läge zum Teil um das 100-fache über den erlaubten Grenzwerten. Die Rate der Totgeburten und der genetischen Schäden sei nach dem GAU selbst in Bayern «signifikant», also eindeutig wissenschaftlich nachweisbar, gestiegen.

Ein solcher Unfall sei selbst in Deutschland denkbar, betonte Weiger. Damit würde eine Fläche von der Größe Hessens auf Dauer unbewohnbar. Mehrere Millionen Menschen müssten umgesiedelt werden. Der materielle Schaden einer solchen Katastrophe würde sich in Deutschland laut einer Studie des Bundeswirtschaftsministeriums auf mindestens 5.000 Milliarden Euro belaufen.

Umso unverständlicher ist es laut Weiger, dass deutsche Atomkraftwerke «extrem unterversichert» sind. Im Katastrophenfall hätte die Bevölkerung der betroffenen Region nicht nur unter den gesundheitlichen Schäden zu leiden, sondern bliebe auch noch auf dem Vermögensverlust sitzen. Der BN-Landesbeauftragte forderte, die Deckungsversorgung von Atomkraftwerken gesetzlich «massiv» zu erhöhen. Der Ausstieg aus der unsicheren Technik müsse sofort umgesetzt werden. «Es war ein Fehler des Bundesumweltministeriums zu glauben, der Ausstieg ist ohne den Druck einer breiten öffentlichen Diskussion zu machen», kritisierte Weiger.

Als «besonders makaber» bezeichnete Weiger die Wiederzulassung der Atommüll-Transporte durch die Bundesregierung. Die Atomindustrie habe ihre Interessen «auf der ganzen Linie» durchgesetzt. Bleibe es beim bisherigen Szenario, würden sich die Atommüll-Mengen bis zum Ausstieg noch ein Mal verdoppeln. Und das, obwohl es bis heute kein Endlager für den strahlenden Müll gebe.



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