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Die Atomkraft ist keine Zukunftsenergie

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Zur aktuellen Debatte um die Atomkraft erkl鋜t Michael M黮ler, Parlamentarischer Staatssekret鋜 im Bundesumweltministerium: "In den letzten Monaten ist die Debatte 黚er die Atomkraft neu entfacht, so als h鋞te es die Debatte vor allem der achtziger und neunziger Jahre nie gegeben. Dabei sind alle heute wieder vorgebrachten Argumente f黵 die Nutzung der Atomenergie l鋘gst intensiv diskutiert und widerlegt worden. Im Gegenteil: W鋒rend damals die Alternativen zur Atomnutzung nur theoretisch aufgezeigt werden konnten, zeigt der Erfolg der Erneuerbaren Energien in den letzten Jahren, dass eine nachhaltige Energieversorgung m鰃lich ist. Schon ist ein Anteil von knapp 11 Prozent bei der Stromerzeugung erreicht und die Zahl der Besch鋐tigten liegt bei 160.000, eine einmalige Erfolgsgeschichte.

 

Dennoch hat sich in der Energiepolitik eine Ideologie der Einfallslosigkeit, die Innovationen scheut, wie Mehltau 黚er die Debatte ausgebreitet. Dabei ist unbestritten, dass den drei 鰇ologischen S鋟len Energiesparen, Effizienzsteigerung und erneuerbare Energien die Zukunft geh鰎t. Jede weitsichtige Volkswirtschaft muss darauf ihre Kr鋐te konzentrieren, um die Nase vorn zu haben. Dieser Ausbau ist in unserem Land lange Zeit nicht mit den, sondern gegen die gro遝n Energieunternehmen durchgesetzt worden. Sie haben vor allem blockiert, geklagt und versucht, zu verhindern. Den Schumpeterschen Unternehmergeist hat man bei kleinen und mittleren Unternehmen gefunden, leider nicht bei den starken Konzernen.

 

Unter Innovationen verstehen vor allem die Wirtschaftsverb鋘de meist nur die Anpassung an kurzfristige Zw鋘ge. Ein gestandenes und mutiges Unternehmertum, das einen Kompetenzvorsprung erreichen will, ist immer seltener anzufinden. Das ist ein Teil der deutschen Krise.

 

Was spricht f黵, was spricht gegen die Atomkraft?

F黵 die Atomenergie spricht eigentlich nur, dass Atomstrom aus abgeschriebenen Kraftwerken vergleichsweise preiswert ist und den Betreibern hohe Gewinne bringt. Zwei Einw鋘de sind notwendig. Erstens muss auch f黵 alte Atomkraftwerke der Grundsatz "Sicherheit zuerst" gelten, dadurch sind oftmals teure Nachr黶tungen notwendig. Allein beim AKW Brunsb黷tel sind M鋘gel in dreistelliger Zahl registriert worden. Zweitens beziehen die Rechnungen die hohen Subventionen, die in die Atomkraft geflossen sind, nicht mit ein. Und auch die steuerbeg黱stigten R點kstellungen, die den Betreibern erhebliche Vorteile verschaffen, werden verschwiegen.

 

Die Behauptung, dass es eine weltweite Renaissance der Atomenergie g鋌e, ist dagegen falsch. In den letzten zwei Jahrzehnten sind deutlich mehr Atomkraftwerke vom Netz gegangen als neue hinzugekommen. Die Neubauten stehen oftmals schon seit vielen Jahren nur auf dem Papier. Insgesamt sind es vergleichsweise wenige L鋘der, die Atomstrom nutzen, wogegen es einen weltweiten Boom f黵 die erneuerbaren Energien gibt, bei denen die Bundesrepublik Weltmarktf黨rer ist. Hier liegen ohne Zweifel die wichtigsten Zukunftsm鋜kte.

 

Sollten tats鋍hlich neue Atomkraftwerke gebaut werden, dann doch nach dem h鯿hsten Sicherheitsstand, den die damaligen Umweltminister Klaus T鰌fer und Angela Merkel Anfang der neunziger Jahre so definiert haben, dass im Falle eines Unfalls die Folgen auf die Anlage begrenzt bleiben m黶sen. Das ist heute technisch nicht m鰃lich, w黵de aber auf jeden Fall so teuer, dass diese Kraftwerke unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten kaum darstellbar sind.

 

Falsch ist auch die Behauptung, die Atomkraftwerke seien notwendig zum Klimaschutz. Diese Behauptung h鋖t sich, obwohl sie schon oft - zum Beispiel von der renommierten Klima-Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages - widerlegt wurde. Denn es geht beim Klimaschutz nicht um den blo遝n Austausch von Energietr鋑ern, sondern um eine prinzipielle Strategie der Vermeidung 黚erfl黶sigen Energieeinsatzes in Verbindung mit dem Ausbau der Erneuerbaren Energien. Die Atomenergie ist aber eine ineffiziente Form der Energieumwandlung, deren Wirkungsgrad die 30 Prozent kaum 黚ersteigt. Zudem rechnet sie sich nur in gro遝n Anlagen, deren Kapazit鋞en m鰃lichst expansiv genutzt werden.

 

Klimaschutz verlangt aber das Gegenteil, n鋗lich die systematische Aussch鰌fung aller Effizienz- und Einsparpotenziale. Das aber ist mit der Atomtechnologie nicht vereinbar. Tats鋍hlich ist eine neue Energiephilosophie notwendig, die auf Vermeidung angelegt ist. Die Bef黵worter der Atomenergie glauben, durch einen breiten Energiemix die Zukunftsfragen abwenden zu k鰊nen. Das ist aber altes Denken. Heute geht es darum, das Prinzip der Energieintelligenz ins Zentrum zu stellen.

 

Die Atombef黵worter argumentieren f黵 eine Verl鋘gerung der Laufzeiten, um den 躡ergang in die Erneuerbaren Energien zu erleichtern. Das Gegenteil ist richtig: Wir haben f黵 den 躡ergang schon viel Zeit verloren, er muss beschleunigt werden. Aber hier ist die Verbundwirtschaft mit ihren Gro遦raftwerken die gr鲞te Bremse, weil sie Newcomern den Markteintritt erschwert. Warum haben die gro遝n Betreiberfirmen bis heute nicht ihre gewaltigen finanziellen und organisatorischen M鰃lichkeiten genutzt, um bei der Energiewende voranzugehen? Der Grund ist einfach: Sie wollen ihre Gesch鋐te im alten Energiesektor nicht schm鋖ern.

 

Hinzu kommen die bekannten Risiken, die nicht verschwunden sind, auch wenn heute weniger intensiv dar黚er geredet wird:

  1. Die Sicherheitsfrage: Der Beinahe-Gau von Forsmark in Schweden kann nicht mit der maroden Technik 鰏tlicher Kraftwerke erkl鋜t werden. In dem High-Tech-Land Schweden, das - gemessen am Bruttoinlandsprodukt - 60 Prozent mehr f黵 Forschung und Entwicklung ausgibt, hat es einen Unfall gegeben, der in den Sicherheitsszenarien nicht vorgesehen war. Nicht einmal menschliches Versagen, das nie auszuschlie遝n ist, sondern ein Versagen der Technik l鰏te den St鰎fall aus. Nat黵lich gibt es in Deutschland andere Regelungen, aber auch hier k鰊nen unvorhergesehene Abl鋟fe eintreten. Auch nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl gab es in Deutschland mehrere schwere St鰎f鋖le. Auch wenn die Eintrittswahrscheinlichkeit gering ist, so k鰊nen sie nicht ausgeschlossen werden. Dann aber ist die zweite Dimension der Sicherheitsbewertung ausschlaggebend, der Schadensumfang.

  2. Die Gefahr eines terroristischen Anschlags und eines milit鋜ischen Missbrauchs. Diese Gefahren sind in den letzten Jahren nicht kleiner, sondern gr鲞er geworden. Stichworte sind der 11. September 2001, Iran oder Nordkorea.

  3. Nirgendwo in der Welt gibt es einen sicheren Einschluss des nuklearen Abfalls. Wir haben mit der Atomkraft einen Jumbo-Jet gestartet, ohne eine Landebahn zu haben.

 

Von daher bleibt das Ziel richtig, m鰃lichst schnell die Wende in eine nachhaltige Energieversorgung zu schaffen. Die Energiefrage ist eine Schl黶selfrage dieses Jahrhunderts. Hier muss sich die Innovationskraft unserer Volkswirtschaft zeigen. Noch hat unser Land einen Vorsprung, der leider nicht mit, sondern trotz der gro遝n Energiekonzerne erreicht wurde. Doch andere L鋘der sind dabei schnell aufzuholen. Deshalb d黵fen wir nicht l鋘ger die Schlachten von gestern f黨ren, sondern m黶sen unsere Kr鋐te auf die erneuerbaren und effizienten Energietechnologien konzentrieren. Sonst geht es uns auch hier wie bei vielen anderen Technologien: Unser Land war f黨rend bei der Entwicklung, doch in der Umsetzung waren andere schneller." (bmu)





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