Chronologie der deutschen Atommülltransporte seit 1995
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Ein
mit vier Castoren beladener Zug ist vom 1990 stillgelegten
Atomkraftwerk im brandenburgischen Rheinsberg Richtung Zwischenlager
Lubmin (Mecklenburg-Vorpommern) gestartet. Es ist der vierte
Atommüll-Transport in diesem Jahr in Deutschland. Die
Nachrichtenagentur ddp dokumentiert die Geschichte der umstrittenen
deutschen Castor-Transporte seit 1995.
April 1995: Philippsburg – Gorleben
Der erste Castor-Transport startet per Bahn am 24. April aus dem baden-württembergischen Kernkraftwerk Philippsburg. Einen Tag später trifft er, begleitet von massiven Protesten von Atomkraft-Gegnern, im Zwischenlager Gorleben ein. Insgesamt sind in Niedersachsen 7.600 Beamte von Polizei und Bundesgrenzschutz im Einsatz. 29 Personen werden vorläufig festgenommen.
Mai 1996 : La Hague – Gorleben
Der erste von insgesamt 110 für das Zwischenlager Gorleben bestimmten Castor-Transporte aus dem französischen La Hague setzt sich am 6. Mai in Bewegung. Tage zuvor werden Anschläge auf die Castor-Bahnstrecken verübt. Der Transport erreicht am 8. Mai trotz Straßenblockaden und Sabotageaktionen Gorleben. Bundesweit waren rund 15.000 Polizisten im Einsatz.
Mai 1996: Grundremmingen – Sellafield
Am 13. Mai fährt der Castor-Transport mit abgebrannten Brennstäben aus dem schwäbischen Atomkraftwerk Grundremmingen zur Wiederaufbereitung nach Sellafield (Großbritannien). Wieder kommt es zu Protesten.
März 1997: Wahlheim – Gorleben
Ein Castor-Zug startet am 3. März vom baden-württembergischen Wahlheim. Über eine Ausweichstrecke erreicht der Castor-Transport am 5. März Gorleben - begleitet von massiven Protesten.
März 1998: Wahlheim – Ahaus
Ein mit sechs Castor-Behältern mit Brennstäben aus den AKW Grundremmingen und Neckarwestheim beladener Zug startet am 20. März in Wahlheim. Auf dem Weg ins Zwischenlager Ahaus kommt es zu heftigen Zusammenstößen zwischen Atomkraftgegnern und Polizei. Für die letzten rund 20 Kilometer bis ins westfälische Zwischenlager Ahaus braucht der Zug mehrere Stunden.
Mai 1998
Nachdem erhöhte Strahlenwerte bei Transportbehältern gemessen worden sind, stoppt Bundesumweltministerin Angela Merkel (CDU) am 21. Mai alle in- und ausländischen Transporte von Castor-Behältern mit abgebrannten Brennelementen.
November 1999
Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) kündigt die Wiederaufnahme der Castor-Transporte an.
März 2001: La Hague – Gorleben
Am 26. März verlässt ein Castor-Zug mit 85 Tonnen Atommüll die französische Wiederaufbereitungsanlage La Hague in Richtung Deutschland. Mehr als 500 Castor-Gegner besetzen die Bahnstrecke Lüneburg-Dannenberg, einige betonieren sich in den Gleisen ein, die Polizei benötigt Stunden, um die Strecke zu räumen. Mit fast einem Tag Verspätung trifft der Zug am Abend des 28. März in der Verladestation von Dannenberg ein. Von dort werden die sechs Castoren mit Tiefladern am 29. März nach Gorleben gebracht.
April 2001: Biblis, Philippsburg, Grafenrheinfeld - La Hague
Am 11. April trifft ein deutscher Atommüll-Transport in der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague ein. Die Castoren mit abgebrannten Brennelementen aus den Atomkraftwerken Biblis (Hessen), Philippsburg (Baden-Württemberg) und Grafenrheinfeld (Bayern) hatten ihre Reise einen Tag zuvor begonnen. Atomkraftgegnern war es nahe der französischen Grenze kurzzeitig gelungen, den Transport zu stoppen.
April 2001: Biblis, Neckarwestheim – Sellafield
Zwei Castoren aus dem hessischen Atomkraftwerk Biblis und drei weitere Behälter mit Atommüll aus Neckarwestheim (Baden-Württemberg) machen sich am 25. April auf den Weg in die englische Wiederaufbereitungsanlage Sellafield. Der Transport erreicht ohne größere Zwischenfälle die Grenze nach Frankreich und schließlich sein Ziel.
Mai 2001: Rheinsberg – Lubmin
Am Morgen des 9. Mai setzt sich ein Zug mit 246 abgebrannten Brennelementen vom stillgelegten Atomkraftwerk Rheinsberg (Brandenburg) in das Zwischenlager nach Lubmin (Mecklenburg-Vorpommern) in Bewegung. 6.500 Beamte sind im Einsatz, mit größeren Protesten war im Vorfeld nicht gerechnet worden. Nach Informationen von Castor-Gegnern sind allein vom Atomkraftwerk in Stade (Niedersachsen) in diesem Jahr noch 16 Castor-Transporte nach La Hague geplant.
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